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Mit Aktenzeichen AZ:524-10014/0078 hat das Landwirtschaftsministerium und Bundesumweltministerium eine weitere Übergangsregelung für Pflanzenöl Blockheizkraftwerke erlassen.

Wie in den vorherigen Erlassen ist durch die Maßnahme mehr Verunsicherung als Klärung und Schutz der mittelständischen BHKW Betreiber die Folge. Leider hat sich die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Katherina Reiche nicht sonderlich mit den Belangen der ökologisch Vorteilhaften Technik Kraft-Wärme-Kopplung befasst.

Seit Anfang 2010 wartet der Verband für Kraft-Wärme-Kopplung vergeblich auf einen Termin.

In der Verordnung wird eine praktisch undurchführbare Regel angeboten. Den Anlagenbeitreibern wird Hohn gesprochen.

Durch die weit höheren Anforderungen an die Stromerzeugung in Pflanzenölanlagen als z.B. im Biodiesel, gibt es nicht ausreichend korrekt zertifiziertes Öl. Anstatt die geringeren Regeln der für Biokraftstoff anzulegen, werden die Wärmenutzer mitten im Winter auf klassische Energiestoffe wie Steinkohle gezwungen. Dies bringt einige Unternehmen in Existenznot. Ungefähr eine Milliarde Euro investiertes Kapital wird wertlos.

Anstatt, wie von uns dem BMU vorgeschlagen, die restliche im Tank verbliebene Ware soweit noch zu erlauben, wie bei Normalbetrieb seit dem letzten Tankvorgang im Jahr 2010 noch hätte verbraucht werden können, wird ein umständliches Verfahren gewählt, was die Anlagenbetreiber dazu zwingt, die Anlagen auszuschalten.

Wenn die Anlage mit z.B. nur 500 Litern altem Öl ohne Zertifikat am 01.01.2011 weiter betrieben wird, dann soll der Anlagenbetreiber für alle Zeiten den Nawaro Bonus verlieren. Der Zweck des von Hermann Scheer geplanten Systems, war die Vermeidung von externen Kosten zum normalen Strommix in Höhe von 6 Cent pro kWh. Ein solcher ökologische Vorteil ist mit Pflanzenölkraftwerken deutlich besser als z.B. mit Biodiesel im Verkehr zu erzielen.

Das BMU hat diese Regel umgedeutet und behauptet seit 2009, der Nawaro Bonus wäre ein Nachhaltigkeitsbonus gegenüber dem Einsatz von Heizöl. Würde das BMU, wie von den wissenschaftlichen Beratern der Bundesregierung vorgeschlagen, die Beimischungsquote stoppen, dann könnten mit dem in Deutschland erzeugten Rapsöl leicht sämtliche BHkW Biostrom erzeugen, ohne dass auch nur ein Baum in Indonesien schief angesehen würde.

Über die Ernährung hinaus verfügbare Menge Rapsöl ist zu erfragen beim DBFZ. Unser letzter Stand ca. 1 Million Tonnen in Deutschland.

Deutsches Biomasse Forschungszentrum

Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltfragen

Sachverständigenrat für Umweltfragen SRU

Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen empfiehlt Verzicht auf Biosprit-Beimischung

Umwelt/Unterrichtung - 16.07.2010 Link zum Originaldokument

In den Handlungsempfehlungen heißt es:  

"Ungewünschte Pfadabhängigkeiten sollten vermieden und zukunftsträchtige Technologien wie z. B. Elektromobilität gefördert werden." (S.340)

Der WBGU empfiehlt ein sofortiges Einfrieren von Biokraftstoff Beimischungsquoten. Innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre sollten die Beimischungsvorgaben von Biokraftstoffen zu fossilen Kraftstoffen ganz zurückgenommen werden.

Die Wissenschaftler heben hervor, dass im Verkehrsbereich die Bioenergienutzung über Stromerzeugung und elektrische Fahrzeuge die höchsten energetischen Nutzungsgrade ermöglicht. Der Beirat spricht von doppelt so guter Nutzung im Vergleich zu Biokraftstoffen bei gleichzeitiger drastischer Verringerung von  Emissionen, Feinstaub und Lärm. (S. 341) Der Einsatz von Rapsöl in BHKW ist ausdrück neben der Mitverbrennung von Biomasse im Kohlekraftwerk am effizientesten. (S. 166)

Grundsätzlich wird bemerkt: "schneiden mehrjährige Anbaukulturen wie Jatropha, Ölpalmen, Kurzumtriebsplantagen (schnellwachsende Hölzer) und Energiegräser besser ab als einjährige Anbaukulturen wie Raps, Getreide oder Mais und sind daher grundsätzlich zu bevorzugen."

Zu Biodiesel wird bemerkt das Biodiesel zwar auch in Blockheizkraftwerken (BHKW) eingesetzt werden könnte. Dies ist jedoch systemtechnisch ineffizient, da Pflanzenöl ohne weiteres auch direkt in BHKW verbrannt werden kann (S. 162).

Die vergleichende Bewertung ist vernichtend: "Die geringste exergetische Wertigkeit wird beim Einsatz von Biokraftstoffen in Kraftfahrzeugverbrennungsmotoren erreicht, die in den meisten Fällen nur etwa dem halben Äquivalent der Verbrennung für die reine Wärmeerzeugung oder gar einem Drittel der erreichbaren Werte beim KWK-Kraftwerk bzw. der reinen Stromerzeugung entspricht." (S. 169)

Unser Kommentar: 

Frei nach Helmut Schmidt: Wäre schön wenn die Politiker auf den Rat ihrer Wissenschaftler hören würden.

Die Forderung des WBGU nach verstärkter Nutzung von Biogas wird am Beispiel Raps nicht ausgeführt. (S.146) Eine Nährstoffauswaschung beim Rapsanbau müsse durch die Wahl einer geeigneten Folgefrucht vermieden werden.  

Der Anbau von Rapsöl zusammen mit einer Biogasproduktion aus dem Rapspresskuchen wäre aus unserer Sicht die sinnvolle Erweiterung der Studie. Im Gegensatz zur industriellen Pressung und Lösungsmittelextraktion von Raps ist durch die Nutzung des ölhaltigen Presskuchens in Biogasanlagen eine weitere Einsparung von ca. 20% CO2 zu erwarten. Transporte würden vermieden und die Nährstoffe gelangen unmittelbar zurück an die richtige Stelle des Kreislaufs bei wesentlicher Bodenverbesserung im Vergleich zu reinen Maisplantagen. Das Ergebnis wäre eine Kombination der beiden vorteilhaften Grafiken auf Seite 172. 

Rapsöl ist ein ausgezeichnet lagerbarer Energiespeicher. Im BHKW mit Wärmespeicher kann der Strom aus Pflanzenöl sehr gut Schwankungen in der sonstigen Ökostromproduktion ausgleichen. 

Die Aussage des WBGU zu Pflanzenöl-BHKW zu Wirkungsgraden ist sehr sehr pessimistisch: "diese Aggregate können mit unraffiniertem Pflanzenöl (aus Jatropha oder Ölpalmen) betrieben werden, weisen einen Wirkungsgrad von 20–25 % auf und haben ein großes Potenzial in der ländlichen netzfernen Elektrifizierung," (S. 173) Die schlechtesten! Pflanzenöl BHKW, die uns bekannt sind schaffen 30% elektrischen Wirkungsgrad. 

Alternativtitel:  Die Koalition entscheidet nichts

Die Koalition veröffentlicht am 23.04.10 die Pressemitteilung mit dem Titel „Koalition verhindert Marktverwerfungen“ Im Originaltext 
Die Nachhaltigkeitskriterien und Zertifikate sollen generell erst ab dem 01.01.2011 gelten. Einschränkungen auf bestimmte Erntezeitpunkte entfallen.

Begründet wird diese Vertagung unter anderem mit der Verhinderung kurzfristiger Marktverwerfungen.

Aus Sicht eines BHKW Betreibers ist dies fast zynisch zu nennen. Dies ist die mittlerweile dritte Verschiebung

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Um kurzfristige Marktengpässe zu verhindern hat der Deutsche Bundestag am Donnerstag, den 17. Juni 2010, ein Gesetz gegen die Stimmen der Fraktionen von SPD und Die Linke bei Enthaltung von Bündnis 90/Die Grünen beschlossen. Die Biomassestrom Nachhaltigkeitsverordnung soll für den Einsatz nachhaltig hergestellter Biomasse erst ab 1. Januar 2011 gelten. Die Pflicht zur Nachhaltigkeit leitet sich aus der EU Richtlinie 2009/28/EG ab.

Aus Sicht der mittelständischen BHKW Betreiber ist die Kurzfristigkeit und Schärfe der Regulierung

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Auf der UN Klimakonferenz in Kopenhagen wurde am 15. Dezember eine Studie über die massiven Angriffe auf Palmöl vorgestellt.

Eine Pflichtlektüre für Journalisten und insbesondere für die Fabrikanten der Biostrom Nachhaltigkeitsverordnung.